Das Taxischild als markantes Zeichen.

Taxigeschichten

Da ich seit über 20 Jahren Taxi fahre, habe ich so manche Fahrt gemacht und auch so einiges erlebt. Hier erscheinen regelmäßig Geschichten, die einen kleinen Einblick in die Arbeit einer Taxifahrerin zeigen. Außergewöhnliche Geschichten, sehr emotionale Erlebnisse, aber auch der ganz alltägliche Wahnsinn. Wenn eine neue Geschichte erscheint poste ich dies auf Facebook und Instagram. Aus Datenschutzgründen verzichte ich bewusst auf Namen und teilweise auf genauere Ortsbeschreibungen, wenn diese bestimmten Personen zuordenbar wären. 

Räuberpistole in Murrhardt

Teil 1

Es ist immer noch Corona-Lockdown und die Aufträge lassen sehr lange auf sich warten. Nach zwei Stunden Wartezeit steigt am Wollhaus ein junges Mädchen ein. Das Fahrziel ist Murrhardt und ich denke "Jackpot", das sind mindestens 80 Euro und der Tag ist gerettet. Wir fahren Richtung Weinsberg und im Tunnel fragt sie mich, ob ich in Murrhardt auf sie warten könne, damit sie mit mir auch zurückfahren kann. Sie müsse nur etwas bei ihrer Tante, für ihre Oma abholen und dann zurückfahren. In meinem Kopf schrillen alle Alarmglocken. Vor einiger Zeit hatten wir bei einer Versammlung der Taxizentrale eine Polizistin zu Besuch, die uns über den Enkeltrick informiert hat. Genauso ist der Ablauf jetzt. Sie fragt immer wieder wie lange wir noch fahren, setzt trotz Trennscheibe die Maske nicht ab, schreibt immer wieder SMS und sie hat nicht nach dem Preis gefragt. Ich bin mir sicher, es mit einer Betrügerin zu tun zu haben. Daher versuche ich sie in ein Gespräch zu verwickeln und merke, dass sie noch nie in dieser Gegend war. Ich lege mir zurecht, was ich nach ihrem aussteigen zur Polizei sage, damit es schnell geht, denn sie wird mit Sicherheit nicht lange brauchen. Als sie auf einem Parkplatz aussteigt, wähle ich den Notruf und sehe aus dem Augenwinkel noch, dass sie erstmal in die falsche Richtung läuft und außerdem auf einmal Einweghandschuhe trägt. Der Polizist glaubt mir zuerst nicht, als ich ihm die Geschichte erzähle, sagt aber seiner Kollegin, sie solle doch mal schauen ob eine alleinstehende Person in der Nähe meines Standortes wohnt. Wir machen aus, falls sich mein Verdacht bestätigt, soll ich mit ihr nach Heilbronn zurückfahren und werde dann unterwegs von der Polizei angehalten, für eine vorgetäuschte Verkehrskontrolle. Gespannt warte ich auf die Rückkehr des Mädchens. Nach 20 Minuten ist sie immer noch nicht da. Inzwischen ruft die Polizei zurück und möchte eine genaue Personenbeschreibung. Die Schwiegertochter hat in letzter Minute den Betrug verhindert und die Täterin ist auf der Flucht. Ich fahre los und helfe der Polizei bei der Suche. Dank meiner genauen Beschreibung finden sie das Mädchen sehr schnell. Als ich dazu komme, schimpft sie, was ich ihr unterstellen würde. Ich sage, ich unterstelle nichts, aber ist sitze seit fast einer halben Stunde auf dem Parkplatz und warte auf mein Geld. Woraufhin sie mir mein Geld gibt. Sie habe kein Handy, sagt sie der Polizei und sie habe auch mit niemandem unterwegs Kontakt aufgenommen. Allerdings hat sie einen Akku in der Hosentasche, das Handy hat sie wahrscheinlich weggeworfen. Ich hinterlasse meine Daten und kann heimfahren. Allerdings ruft in Sulzfeld die Kripo an, ich solle zurückkommen und meine Aussage zu Protokoll geben. Bis 23 Uhr bin ich im Revier, dann kann ich heim.

Teil 2

Vor lauter Aufregung habe ich keine so tolle Nacht. Gegen Mittag ruft mich der Beamte von der Kripo an und lobt meinen Einsatz und meine gute Reaktion. Er sagt, dass er mich  für den Zivilcouragepreis vorschlagen werde. Ich bin sehr stolz, denn ich habe verhindert, dass eine alte Frau um 9000 Euro gebracht wurde.
Im Dezember ist die Gerichtsverhandlung in Waiblingen. Mein Mann und ich fahren mit der Bahn hin. Nachdem der Zug auf freier Strecke hält, wegen Personen auf den Gleisen und dann rückwärts zurück nach Bietigheim fährt, steigen wir dort angekommen ins nächste Taxi und fahren so die letzten Kilometer nach Waiblingen. Unterwegs rufe ich im Gericht an, dass wir uns verspäten. Ich muss auf jeden Fall erscheinen, denn ich bin der Hauptzeuge. Die Kosten für die Taxifahrt bekomme ich erstattet. Der Betrag ist derselbe, den die Täterin für ihre Fahrt mit mir bezahlen musste. Ironie des Schicksals.
Als wir vor dem Gerichtssaal warten, kommt die Schwiegertochter der alten Frau heraus und ich stelle mich kurz vor. Dann muss ich aussagen. Ich erzähle, wie das alles abgelaufen ist. Die Täterin bekommt eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten, die aber zur Bewährung ausgesetzt wird. Im Laufe der Verhandlung wird immer deutlicher, dass das junge Mädchen nicht nur Täterin, sondern auch selbst Opfer ist. Es wurde Druck auf sie ausgeübt, dem sie als junges Mädchen nicht entgegentreten konnte. Die fünf Monate Untersuchungshaft, die ihr angerechnet werden, haben sie geprägt und sie versichert glaubhaft, wie sehr sie alles bereut.  
Wir fahren wieder heim und endlich ist dieses Kapitel erledigt, denn ganz wohl war mir nie dabei, dass ich vor Gericht aussagen musste.
Im Juli 2021 kommt dann ein Brief von der Heilbronner Stimme, in dem mir mitgeteilt wird, dass ich ein Preisträger für den Zivilcouragepreis bin und zur Preisverleihung in den Deutschhof in Heilbronn kommen soll. Mein Mann und meine Mutter gehen mit mir zur Verleihung. Als mein Fall an der Reihe ist, muss ich auf die Bühne und die Geschichte nochmal erzählen. Dann bekomme ich meinen Preis, eine Urkunde und 150 Euro. Einige der anwesenden Preisträger spenden Ihren Preis spontan für die Flutopfer. Ich habe nichts mehr übrig zum spenden, da ich den Preis noch bevor ich ihn hatte, einer jungen Dame geschenkt habe, die von einem falschen Bankangestellten um 2000 Euro gebracht wurde. Sie tat mir so leid, dass ich ihr spontan Geld geschickt habe, damit sie sich ihr Fahrrad kaufen konnte, auf das sie gespart hatte. Es war ein schöner Abend bei der Preisverleihung und ein bisschen Stolz bin ich auf mich.

Preisverleihung

Preisverleihung durch Bürgermeisterin
Agnes Christner.

Urkunde Zivilcouragepreis

Die Urkunde des Zivilcouragepreises.


Taxi als Lebensretter

Ich fahre nachmittags um 14 Uhr nach Greifswald um Medikamente in die dortige Klinik zu bringen. Inzwischen habe ich ein Erdgas Auto und bin froh, dass es eine kleine Zusatzdatei für mein Navi gibt, dort sind alle Erdgas Tankstellen gelistet und ich komme nach 9 Stunden bei der Klinik an. Alle sind froh, denn das Baby braucht die Medizin –  dringend.
Eine Woche später, es ist Samstag und ich will mit meiner Mutter in einem Restaurant noch etwas essen. Alkohol trinke ich sowieso nicht, also gibt es für mich nur Apfelsaftschorle. Das ist auch gut so wie sich später herausstellt. Wir haben gerade das Essen auf dem Tisch, als das Telefon klingelt und ich wieder mal einen Notdienst habe. Es geht wieder um das Kind, dem ich Medizin nach Greifswald gebracht habe. Ich soll noch heute Abend nach Bremen fahren, den Professor aus der Oper holen, mit ihm ins Krankenhaus in Bremen fahren, dort Medizin holen, die ich dann nach Rostock in die Uniklinik bringen soll. Vorher muss aber auch noch der Professor zurück in die Oper. Ich fahre also los, immer nach den Anweisungen des Navis. Um 21 Uhr bin ich in Bremen, ich bekomme die Medizin in gekühlten Beuteln mit und fahre weiter nach Rostock. Morgens um 3 Uhr bin ich in Rostock. Ich übergebe die Medikamente und darf das arme kranke Frühchen auch kurz sehen. Es ist sehr winzig und sehr krank. Ich fahre zu einem Hotel und übernachte dort, allerdings bin ich so überdreht, dass ich kaum schlafen kann. Auf dem Rückweg besuche ich einen Freund in Berlin und genehmige mir zwei freie Tage in der Hauptstadt. Später erfahre ich, dass das Kind überlebt hat, auch dank meiner Express-Fahrt. Die Firma schenkt mir einen riesigen Blumenstrauß auf der Weihnachtsfeier, zu der ich eingeladen werde.

 

Taxi nach Leipzig 

Ich stehe am Kaufhof und warte auf Kundschaft als ein Mann einsteigt. Er wolle nach Leipzig. Okay denke ich, er will zum Bahnhof. Nein, er möchte mit dem Taxi nach Leipzig. Auf dem Weg erfahre ich dann seine Geschichte. Er ist Albaner, sein Neffe ist aus dem Kosovo geflüchtet und mit LKW-Fahrern bis nach “irgendwo in der Nähe von Leipzig” gefahren. Das ganze hieße "Dreisen Viodras" und auf den Schildern würde Leipzig stehen. Nach anfänglichem Unwohlsein meinerseits, die ganze Sache ist mir etwas suspekt, überlegen wir, wo und was das sein kann. Mir fällt dann irgendwann ein, dass eigentlich nur Dresden Wilsdruff und die dortige Autobahnraststätte in Frage kommt. Dort bin ich vor einiger Zeit privat gewesen. Also rufe ich die Auskunft an und lasse mir die Nummer geben. Der Fahrgast hält mich solange mit Brötchen und Kaffee bei Kräften. Tatsächlich ist auf der Raststätte in Richtung Leipzig ein junger Mann, der sich immer wieder ein paar Mark zusammengebettelt hat. Damit hat er dann angerufen und seinem Onkel gesagt wo er ist. Wir finden ihn nach einiger Zeit und nehmen ihn mit zurück nach Heilbronn.

Kontakt

Mobil: 0171 - 83 106 72
Telefon: 07131 - 67 92 69

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